Lass dich von Jesus führen!

„Halte dich einfach an mich. Ich werde dich sicher führen!“  –  Jesus in meinem Traum

Das verlassene Kloster

Endlos erstreckten sich die Gänge dahin und ich fühlte mich wie in einem Labyrinth. Inzwischen hatte ich völlig die Orientierung verloren. Es war kühl in diesem alten Gemäuer und weit und breit keine Menschenseele auszumachen. Ich war allein.

Immer mehr überkam mich ein Gefühl der Einsamkeit. Ich wusste, dass die letzten Mönche das Kloster schon vor vielen Jahren verlassen hatten und es seither leer stand. Ich hätte aber nicht damit gerechnet, dass ich diese Verlassenheit so intensiv spüren würde …

Die Erscheinung

Gerade stellte ich mir die Frage, was ich eigentlich hier suchte und gehofft hatte zu finden, als er auf einmal vor mir stand. Wie aus dem Nichts war er aufgetaucht und mir schien es, als wäre er schon immer hier gewesen, als hätte er schon von jeher so hier gestanden wie jetzt in diesem Augenblick.

Er war von einer so strahlenden Erscheinung, dass ich zunächst wie geblendet war und gar nicht richtig sehen konnte. Ich wusste nur, dass er ein Mann war und ich spürte, dass er mich ansah. Sein Blick hatte etwas Durchdringendes, es war als könnte er direkt in mich hineinsehen.

Dieser Mann musste etwas ganz Besonderes sein, seine Ausstrahlung war von solch einer erhabenen Würde, wie sie mir bisher noch nicht begegnet war. Ich wunderte mich, dass er mich überhaupt wahrgenommen hatte. Was wollte ein Mann wie er von einer so unbedeutenden Person wie mir?

Noch überraschter war ich, als ich feststellte, dass sein Blick wahrhaftiges Interesse an mir zu zeigen schien. Seine Augen waren fest auf mich gerichtet und auf einmal fühlte ich Unbehagen in mir aufsteigen. Verlegen blickte ich zu Boden. Er sollte auf keinen Fall merken, dass er mich verunsichert hatte, am besten ging ich so schnell wie möglich an ihm vorbei. Trotzdem kam ich nicht umhin, im Vorbeigehen nochmal einen Seitenblick auf ihn zu werfen.

Ein alles durchdringender Blick

Inzwischen hatten sich meine Augen an sein Licht gewöhnt und ich konnte wieder etwas sehen. Völlig in sich ruhend stand er da, ganz in sich selbst verankert. Sein Oberkörper war entblößt und gab den Blick frei auf einen kräftigen und muskulösen Körper.

Da erkannte ich, dass er ein Schamane war – ein Vermittler zwischen den Welten.  Seine Haut war bronzefarben und schimmerte vor Nässe. Einen kurzen Moment hielt ich inne, denn diese Nässe erinnerte mich an einen Traum, in dem Jesus mir einmal erschienen war. Bis heute weiß ich nicht, was sie zu bedeuten hatte.

Was für ein Mann! dachte ich und schämte mich augenblicklich dafür. Peinlich berührt von meinen eigenen Gedanken blickte ich zu Boden und eilte weiter, vorbei an diesem eindrucksvollen Schamanen, in der Hoffnung, er möge nichts davon bemerkt haben. Doch schon im selben Moment war mir klar, dass er es sowieso wusste. Er wusste alles.

Seinem alles durchdringenden Blick blieb nichts verborgen, nicht die kleinste Kleinigkeit. Er war in der Lage, ALLES zu sehen, er konnte bis ins Innerste der Dinge schauen. Doch gleichzeitig nahm ich auch wahr, dass er nichts von dem, was er sah, je irgendwie bewertete. Er nahm es einfach nur wahr, ohne irgendetwas davon zu beurteilen.

Sein Geist ist überall

Getrieben von der Pein meiner Scham eilte ich weiter, dem nächsten rettenden Gang entgegen. Erst als ich um die Ecke gebogen war, konnte ich meine Schritte wieder verlangsamen. Schwer atmend lehnte ich mich mit dem Rücken an die kühle Steinmauer, um der Erleichterung Raum zu geben, ihm und seinem Blick entflohen zu sein. Doch dann merkte ich, dass ich mich geirrt hatte.

Ich hatte ihn nicht hinter mir gelassen, er war immer noch da und es fühlte sich sogar an, als würde er mich immer noch ansehen. Es war sein Geist. Sein Geist war überall und auf einmal wusste ich, dass ich mich niemals vor ihm verstecken können würde. Wohin auch immer ich gehen würde, er würde immer bei mir sein …

Er hat schon immer auf mich gewartet

In diesem Moment gab ich meinen Widerstand auf. Da ich ihm sowieso nicht entfliehen konnte, konnte ich auch gleich zurückgehen und mich der Situation stellen. Trotz allem tauchte immer noch der Gedanke in mir auf, dass er vielleicht ja doch nicht mich gemeint haben könnte. Wer war ich schon, dass ein so eindrucksvoller Mann wie er Interesse an einer Frau wie mir haben könnte? Meinte er wirklich mich?

Ich hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, als ich schon wieder vor ihm stand. Wieder trafen seine Augen direkt auf meine und sie schienen zu sagen: „Ja, ich meine dich, genau dich!“ Wieder war mir, als könnte er in mich hineinsehen. Es war derselbe alles durchleuchtende Röntgenblick wie damals bei Jesus. Ein magischer Blick voller Wärme, Zuneigung, Liebe, Annahme und Wertschätzung. Auf einmal war ich mir sicher, dass er mich meinte, dass er wirklich mich meinte…

Aufforderung zum Tanz

Ohne ein Wort zu sagen, reichte er mir seine Hand. Ich zögerte, bevor ich sie unsicher ergriff. Was wollte er von mir? Was hatte er vor? Ganz vorsichtig fing er an, sich zu bewegen und ein paar Schritte zu machen. Zunächst war ich noch etwas verwirrt, doch dann dämmerte es mir – das waren Tanzschritte! Er forderte mich auf, mit ihm zu tanzen!

Oh Gott, dachte ich, ich kann nicht tanzen! Auch diesen Gedanken hatte ich noch nicht zu Ende gedacht, als er ihn auch schon erfasst hatte, denn im selben Moment nickte er mir aufmunternd zu. Doch, du kannst es, war in seinen Augen zu lesen, nur Mut! Halte dich einfach an mich, ich werde dich sicher führen!

Mit Bedacht machte er die ersten Schritte und setzte langsam einen Fuß vor den anderen. Widerstrebend und unsicher folgte ich ihm. Ich fühlte mich hölzern, unbeholfen und ungelenk und hatte Angst, über meine eigenen Füße zu stolpern, mich lächerlich zu machen.

Ich konnte seine Bewegungen spüren, sie waren weich und fließend. Meine dagegen waren eckig und stockend. Doch er ließ sich davon in keiner Weise beeindrucken. Es schien, als würde er es nicht einmal bemerken. Unbeirrt von meiner Unbeholfenheit hielt er meine Hand fest in der seinen und machte weiterhin Schritt um Schritt um Schritt …

Ich lasse mich führen

Nach einer Weile konnte ich wahrnehmen, wie sein Fluss immer mehr auf mich überging. Immer leichter bewegten sich meine Füße, immer sicherer wurden meine Schritte, bis ich überhaupt nicht mehr denken musste und alles wie von selbst ging. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, wie ein kleines Wunder, und ich konnte es kaum fassen.

Noch nie zuvor hatte ich eine solche Leichtigkeit empfunden. Ich fühlte mich wie auf Wolken, als würde ich schweben, und es schien mir, als wären wir eins geworden – es war einfach nur fantastisch! Ich brauchte nichts zu tun, konnte alles abgeben. Das Einzige, was ich tun musste, um in diesem wunderbaren Fluss zu bleiben, war – mich hinzugeben und führen zu lassen.

Und genau in diesem Moment geschah etwas …

Die Energie der reinen Liebe

An der Stelle, an der wir uns an den Händen hielten, ging auf einmal seine Energie auf mich über. Ich konnte sehen, wie ein gleißendes Leuchten von seiner Hand in meine und dann meinen Arm hinauffloß. Mir stockte beinahe der Atem vor Ehrfurcht. Ich konnte diese Energie sehen und fühlen – es waren das pure Licht und die reine Liebe, die sich nun von meiner Hand aus in meinen gesamten Körper ergossen bis ich selbst ein einziges Strahlen war.

Niemals zuvor in meinem Leben habe ich mich so leicht und so frei, so getragen und so geborgen, so angenommen und so berechtigt gefühlt wie in diesem Augenblick. Solange ich denken kann, habe ich mich nach einem Mann gesehnt, der mich hält und beschützt, der mich tröstet und trägt, der mich liebt und annimmt so wie ich bin. Ich habe ihn gefunden.

Sein Name ist Jesus.

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